Als Fortentwicklung ihrer künstlerischen Arbeit gründet die Produktionsgemeinschaft finger (Florian Haas und Andreas Wolf) 2011 das Neue Museum für Bienen in Frankfurt am Main.
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| Die ersten drei Ausstellungsräume des Neuen Museums für Bienen |
"Für Bienen" wird dabei ganz wörtlich genommen, so dass sämtliche Ausstellungsräume des Museums in erster Linie für den Besuch von Bienen ausgelegt sind. Aber auch für Menschen dürften die einzelnen Ausstellungen, wie auch die Beobachtung der eigenartigen Publikumsströme von Interesse sein, so dass das Museum im Rahmen regelmäßiger Öffnungszeiten allen Interessierten zugänglich sein wird.
Formal beheimatet sich das Neue Museum für Bienen in der Tradition der Figurenbeute. Figurenbeuten sind einzelne Bienenstöcke oder ganze Bienenstände, die von Imkern bewirtschaftet wurden und gleichzeitig auf besondere individuelle Art und Weise von ihren Betreibern gestaltet wurden. Häufig wurden dabei den Bienenkörben Nachbildungen menschlicher Köpfe aufgesetzt, oder der Bienenstock als Ganzes wurde in Form einmer menschlichen Figur gestaltet, wobei die Fluglöcher der Bienen so platziert wurden, dass es aussah, als würden die Bienen aus dem Mund, den Augen oder sonstigen denkbaren Körperöffnungen eines menschlichen Körpers ein- und ausfliegen. Neben der Abschreckung von Kindern bei den sogenannten Bannmasken, und den Tier- und Heiligenfiguren gaben diese eigenartig gestalteten Behausungen immer auch selbstreflexives Zeugnis von dem Selbstverständnis der Imker und dem sie umgebenden kulturellen Kontext.
Vor dem Hintergrund imkerlicher Perspektiven stellt sich das Neue Museum für Bienen bewußt in diese Tradition, in dem die einzelnen Ausstellungsräume jeweils auf einem Bienenvolk ansiedelt werden (siehe Abbildungen) und somit beispielsweise ein ganzer Bienenstand mit ca. 10 Bienenvölkern zum Sockel für die verschiedenen Ausstellungsräume des Museum wird. Mittels unterschiedlicher Zugänge wird es den Bienen dabei ermöglicht die einzelnen Räume zu begehen bzw. zu befliegen. Neben ihrer Eigenschaft als Besucher des Museums und ihrer Funktion als räumlichem Sockel werden die Bienenvölker auch in wirtschaftlicher Hinsicht relevant. So ist es geplant, den Unterhalt des Museums, und damit langfristig auch die jeweiligen Produktionsbudgets für die einzelen Ausstellungsräume aus den finanziellen Erträgen der jeweiligen Bienenvölker zu bestreiten. Darüber hinaus können einzelne Bienenvölker bzw. die damit verbundenen thematische Schwerpunkte einzelner Ausstellungsräume von Einzelpersonen oder Institutionen, ähnlich wie bei den Bienenpatenschaften, finanziell unterstützt werden.
Den gestalterischen, künstlerischen und musealen Hintergrund dieser Vorgehensweise bilden Institutionen aus der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart, wie beispielsweise das Adlermuseum von Marcel Broodthaers, das Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen in der Tradition von Karl Ernst Osthaus und Michael Fehr, das von David Wilson gegründete Museum for Jurassic Technologies in Los Angeles, das Center for Land Use Interpretation von Matthew Coolidge in Los Angeles, das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main oder das Wiener museum in progress. Dieser Hintergrund ergibt sich für die Produktionsgemeinschaft finger, wie im Falle des KEOMs, dem C.L.U.I. und dem MMK bereits aus einer langjährigen engeren Zusammenarbeit, im Besonderen aber aufgrund der spezifischen Ausrichtungen dieser Institutionen, die sich alle durch eine explizite Hinwendung zu gesellschaftsgestaltenden Prozessen als einem Resonanzraum für künstlerische Produktionen kennzeichnen. Ebenso ist ihnen gemeinsam, dass sie alle aktiv und experimentell daran arbeiten, die Institution des Museums zu einem Ort für eine aktuelle künstlerische Praxis und Vermittlung weiterzuentwickeln.
In enger Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen, sozialen und künstlerischen Einrichtungen (beegroup Würzburg, Bieneninstitut Oberursel, Werkstatt Frankfurt, Museum für Moderne Kunst Frankfurt), Architekten, Gestaltern, Historikern, (Tier-)philosophen, Künstlern, Technikern und Imkern soll in den kommenden Jahren sukzessive das Neue Museum für Bienen wachsen. Dabei wird sich der Aktionsradius des Museums nicht nur auf einen Standort beschränken, sondern, in seinem Selbstverständnis als operatives Museum, über den Frankfurter Standort hinaus, weitere "Ableger" in jeweils spezifischen Kontexten ansiedeln.
Mit der Neugründung des Museums für Bienen versucht die Produktionsgemeinschaft finger gleichermaßen zwei Ziele zu verfolgen. Einerseits wird ein historischer Überblick entwickelt werden in dem dargestellt wird, auf welche Art und Weise Bienen in der Vergangenheit als Vorbiür menschliche gesellschaftsgestaltende Prozesse herangezogen wurden. (Bienen als vorbildliche Lebensfoür monarchistische, nationalistische und demokratische Gesellschaftsgestaltung) Zum Anderen, und in der Hauptsache wird es darum gehen, diese historischen Entwicklungen in der Gegenwart zu aktualisieren, um sichtbar zu machen, welches Selbstverständnis unserer aktuellen, globalisierten Gesellschaft an dem heutigen Umgang mit Bienen deutlich wird.